Notwendig ist eine höhere Verantwortung

Bert Warich erläutert die Hintergründe seiner Studie zur Privatisierung bei Edeka

Im März erscheint eine Studie, die am Beispiel von Privatisierungen der Edeka- Gesellschaften Reichelt (Berlin) und Marktkauf in der Regionalgesellschaft Rhein-Ruhr die Probleme der Strategie des bundesweit größten Lebensmitteleinzelhändlers belegt, Märkte an selbstständige Kaufleute zu übergeben. Zur Untersuchung äußert sich Bert Warich, Projektleiter der Studie, der das WABEInstitut in Berlin leitet.

Wie kam es zu der Studie?

Bert Warich: Privatisierungen bei Edeka wurden schon seit einigen Jahren im ver.di-Fachbereich Handel und von Edeka-Betriebsräten als Problem, insbesondere wegen der bekannt gewordenen Negativbeispiele, thematisiert. Da es bis dahin keine Daten und Hintergründe zur »Privatisierungsstrategie« der Edeka gab, wollten wir das Thema genauer beleuchten. Gefördert durch die Hans-Böckler-Stiftung entstand bis Juni 2011 eine erste Studie, die die Konzerne Edeka und Rewe hinsichtlich des erreichten Standes an Übertragungen, des Privatisierungspotenzials, der Auswirkungen für Beschäftigte und insbesondere für die betriebliche Mitbestimmung analysierte. Die Studienergebnisse flossen in die ver.di-Publikation »Schöne neue Handelswelt!? – Ein Blick hinter die Kulissen des ‚privatisierten‘ Handels am Beispiel der Firma Edeka« ein. Durch Diskussionen im Fachbereich Handel und mit Betriebsräten u.a. auf einer Edeka- Betriebsratstagung wurde die Fragestellung diskutiert, was passiert eigentlich, wenn ein Edeka-Markt privatisiert wird? Wie schafft es der selbstständige Inhaber, sofort wirtschaftlicher zu arbeiten als sein angestellter Kollege bei Edeka? Mit dem ver.di-Fachbereich Handel und den Betriebsräten von Reichelt in Berlin und Marktkauf in der Regionalgesellschaft Rhein-Ruhr wurde ein Vorgehen besprochen, wie man zu wissenschaftlichen Erkenntnissen kommen könnte. Ein entsprechendes Forschungsprojekt wurde durch die Hans-Böckler- Stiftung gefördert.

Aus welchen Gründen habt ihr für die Studie mit Edeka kooperiert?

Warich: Da es um konkrete Veränderungsprozesse in insgesamt sechs ausgewählten Märkten gehen sollte, mit betriebswirtschaftlichen Kennziffern und Personaldaten, um Veränderungen in den Arbeitsabläufen und der Arbeitsorganisation, wurde die Unterstützung durch Edeka und der einzelnen Inhaber angestrebt. Zusätzlich sollten Konfliktlinien und Konfliktlösungen sowie die Rolle von betrieblicher Mitbestimmung in den Beschäftigteninterviews besprochen werden. Durch Vermittlung der Betriebsräte kam ein Dialog mit Edeka in Gang, in dessen Verlauf eine Forschungskooperation zwischen dem WABE-Institut Berlin und Edeka vereinbart wurde. Die beiden Edeka-Regionalgesellschaften lieferten uns die nötigen Daten und ebneten den Weg zu den Inhabern. Die konkrete Auswahl der Interviewpartner unter den Beschäftigten wurde weitgehend den Inhabern der Märkte überlassen. Allerdings hatten wir die Vorgabe, jeweils einen Gesprächspartner aus jedem Bereich des Marktes und – falls vorhanden – ein Betriebsratsmitglied auszuwählen. Mittlerweile, nach knapp zwei Jahren Projektlaufzeit, ist die Studie fertiggestellt. Es ist uns trotz der einschränkenden Rahmenbedingungen – so hoffe ich – gelungen, aus einem arbeitnehmerorientierten Blickwinkel aus den sechs Fallstudien ein Muster der Veränderungsprozesse und die Notwendigkeit einer höheren Verantwortung der Dachmarke Edeka für den selbstständigen Einzelhandel mit Fakten und Argumenten zu belegen. Die Studie soll noch im März 2014 durch die Hans-Böckler- Stiftung publiziert werden.

Interview: Gudrun Giese
in ver.di Handel Beilage 1/2014, 13 Jg.

verdi_HB_01_2014_S02B__2_.pdf
(143,43 kB)

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(C) 2013 Ver.di Niedersachsen/Bremen - Fachbereich Handelzuletzt aktualisiert: 14.12.2017